Odyssee-Con 2007

15. September 2007, Berlin
Reise-Impressionen von Petra Hartmann

Eine Fahrt zur Odyssee – „Du bist doch schon zweimal da gewesen, da musst du doch wissen wie das geht“, sagte mir eine Bekannte ein paar Tage vor unserer Lesung. Stimmt aber nicht. Jede Lesung ist anders und jede Odyssee ein neues Abenteuer. Der Morgen begann für mich mit einem heißen Bad und dem letzten Überfliegen meiner Lesetexte. Stimmübungen in der Badewanne sind ein Geheimtipp, leider irritiert es meine Familie und vor allem den Hund ungeheuer, wenn da einer lange vor Sonnenaufgang im Bad vor sich hinbrabbelt. Sorry, Mama, für’s Aufwecken.
Kurz nach 8 Uhr stand ich mit meinem Micra vor Ulrikes Haustür, wenig später rollen wir auf den Parkplatz am Elzer Bahnhof. In Hannover dann umsteigen in den ICE. Dummerweise steigen wir in den falschen Wagen und wegen der zwei gekoppelten Züge haben wir keine Chance, unsere reservierten Sitzplätze zu erreichen. Na ja, das Bistro ist auch ganz nett, das Rustikalfrühstück absolut genießbar, bei der Pepsi-Cola dreht sich mir allerdings immer der Magen um, ich hätte schon lieber eine Coke zum Frühstück gehabt. Egal, ich bin jedenfalls nicht gestorben an dem Hustensaft-Geschmack.
Am Bahnhof erwartete uns schon Autorenkollegin Kerstin Dirks, die uns auch im letzten Jahr unter ihre Fittiche genommen hat. Toll: Sie hat demnächst ein Date mit Lilo Wanders, erzählt sie. Davon kann ich erst mal nur träumen. Dass Ulrikes Portemonnaie unterwegs den Geist aufgab, veranlasste uns zu einer Stippvisite bei Karstadt, wo sie eine neue Geldbörse erwarb. Dann, eine halbe Stunde vor Lesungsbeginn erreichen wir die Villa Folke Bernadotte. Ist das eigentlich ein Zufall, dass Folke Bernadotte (gest. 1848) nur zwei Tage nach unserer Lesung seinen 159. Todestag hat? Das fand ich nämlich am Sonntag beim Wochenenddienst in der „Pinnwand“ der Neuen Deister-Zeitung.
Oliver Hohlstein, unser Lokalmatador und der Dritte im Bunde, ist schon da. Er probiert gerade irgend ein Kartenspiel aus, dessen Regeln ich nicht verstanden habe. Es geht um Städtenamen auf Spielkarten, die nach irgend einem System auf den Tisch gelegt werden. Und er soll schon einmal Kaffee darüber verschüttet haben, was zur guten Laune beitrug.
Das rote Sofa, auf dem wir lesen, ist ein Traum. Man sinkt tief ins Polster ein, hat es warm und kuschelig und möchte am liebsten gar nicht mehr aufstehen. Die Akustik ist allerdings eher ein Alptraum. Wir lesen im Speiseraum, kämpfen mit unseren Stimmen gegen den Lärm der Kantine, gegen knarrende Bodenbretter und quietschende Schuhe an. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen und die Geräuschkulisse der Tischgespräche. Ulrike, die mit „Spieglein, Spieglein ...“ den Auftakt macht, kassiert gleich ein paar Zwischenrufe: „Lauuter!!“ Ich brülle mir, als ich „Gewitternacht“ aus „Ein Prinz für Movenna“ vortrage fast die Seele aus dem Leib. Wenigstens kommen die Lacher an den Stellen, die ich vorgesehen hatte. Das Publikum ist zwar klein und hat von hinten einen Wahnsinnskrach zu ertragen, aber unsere Zuhörer sind mit dem besten Willen hergekommen, etwas zu hören. Oliver trägt seine Geschichte aus der gerade erschienenen „Formel des Lebens“ vor. Herrliche Erinnerungen an meine Jugendzeit. Nena-Songs, Disneys „Tron“ und ein gefährlicher Kabelsalat unter dem Computer. Na ja, was letzteres angeht, bin ich wohl noch jung geblieben. Ulrike legte mit „Mondlicht auf meiner Seele“ eine Werwolfsgeschichte nach. Und dann prickt mich doch der Hafer. Immerhin habe ich in den letzten Jahren immer steif und fest behauptet, dass mir erotische Geschichten nicht liegen. Jetzt muss ich doch mal in die geheime Schublade greifen und trage mit „Bis dass der Tod euch scheidet“ eine meiner Jugendsünden vor. Die Geschichte sorgt für brüllendes Gelächter. Ich muss doch mal sehen, ob ich nicht mal eine Anthologie dafür finden kann. Das letzte Wort hat Oliver: Mit seiner Geschichte über die Elfe Calya, die einen Werwolf erledigt, schlägt er den Bogen zurück zu Ulrike Story. Wir ernten Applaus, danken artig und räumen das Sofa.
Einige nette Gespräche bei einem heißen Kaffee schließen sich an. Den legendären Feuertopf bestelle ich heute allerdings nicht. Kerstin, Ulrike und ich wollen uns noch einen Besuch beim Thailänder gönnen. Leider verquatschen wir uns etwas. Am Ende bleibt nur noch Zeit für eine fettige Pizza im Berliner Hauptbahnhof. Dann rollt auch schon unser Zug heran und bringt uns zurück nach Elze.

Text und Fotos: Petra Hartmann