Eine
Fahrt zur Odyssee – „Du bist doch schon zweimal da gewesen, da
musst du doch wissen wie das geht“, sagte mir eine Bekannte ein paar
Tage vor unserer Lesung. Stimmt aber nicht. Jede Lesung ist anders und
jede Odyssee ein neues Abenteuer. Der Morgen begann für mich mit
einem heißen Bad und dem letzten Überfliegen meiner Lesetexte. Stimmübungen
in der Badewanne sind ein Geheimtipp, leider irritiert es meine
Familie und vor allem den Hund ungeheuer, wenn da einer lange vor
Sonnenaufgang im Bad vor sich hinbrabbelt. Sorry, Mama, für’s
Aufwecken. |
Kurz
nach 8 Uhr stand ich mit meinem Micra vor Ulrikes Haustür, wenig später
rollen wir auf den Parkplatz am Elzer Bahnhof. In Hannover dann
umsteigen in den ICE. Dummerweise steigen wir in den falschen Wagen
und wegen der zwei gekoppelten Züge haben wir keine Chance, unsere
reservierten Sitzplätze zu erreichen. Na ja, das Bistro ist auch ganz
nett, das Rustikalfrühstück absolut genießbar, bei der Pepsi-Cola
dreht sich mir allerdings immer der Magen um, ich hätte schon lieber
eine Coke zum Frühstück gehabt. Egal, ich bin jedenfalls nicht
gestorben an dem Hustensaft-Geschmack. |
Am
Bahnhof erwartete uns schon Autorenkollegin Kerstin Dirks, die uns
auch im letzten Jahr unter ihre Fittiche genommen hat. Toll: Sie hat
demnächst ein Date mit Lilo Wanders, erzählt sie. Davon kann ich
erst mal nur träumen. Dass Ulrikes Portemonnaie unterwegs den Geist
aufgab, veranlasste uns zu einer Stippvisite bei Karstadt, wo sie eine
neue Geldbörse erwarb. Dann, eine halbe Stunde vor Lesungsbeginn
erreichen wir die Villa Folke Bernadotte. Ist das eigentlich ein
Zufall, dass Folke Bernadotte (gest. 1848) nur zwei Tage nach unserer
Lesung seinen 159. Todestag hat? Das fand ich nämlich am Sonntag beim
Wochenenddienst in der „Pinnwand“ der Neuen Deister-Zeitung. |
Oliver
Hohlstein, unser Lokalmatador und der Dritte im Bunde, ist schon da.
Er probiert gerade irgend ein Kartenspiel aus, dessen Regeln ich nicht
verstanden habe. Es geht um Städtenamen auf Spielkarten, die nach
irgend einem System auf den Tisch gelegt werden. Und er soll schon
einmal Kaffee darüber verschüttet haben, was zur guten Laune
beitrug. |
Das
rote Sofa, auf dem wir lesen, ist ein Traum. Man sinkt tief ins
Polster ein, hat es warm und kuschelig und möchte am liebsten gar
nicht mehr aufstehen. Die Akustik ist allerdings eher ein Alptraum.
Wir lesen im Speiseraum, kämpfen mit unseren Stimmen gegen den Lärm
der Kantine, gegen knarrende Bodenbretter und quietschende Schuhe an.
Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen und die Geräuschkulisse
der Tischgespräche. Ulrike, die mit „Spieglein, Spieglein ...“
den Auftakt macht, kassiert gleich ein paar Zwischenrufe: „Lauuter!!“
Ich brülle mir, als ich „Gewitternacht“ aus „Ein Prinz für
Movenna“ vortrage fast die Seele aus dem Leib. Wenigstens kommen die
Lacher an den Stellen, die ich vorgesehen hatte. Das Publikum ist zwar
klein und hat von hinten einen Wahnsinnskrach zu ertragen, aber unsere
Zuhörer sind mit dem besten Willen hergekommen, etwas zu hören.
Oliver trägt seine Geschichte aus der gerade erschienenen „Formel
des Lebens“ vor. Herrliche Erinnerungen an meine Jugendzeit.
Nena-Songs, Disneys „Tron“ und ein gefährlicher Kabelsalat unter
dem Computer. Na ja, was letzteres angeht, bin ich wohl noch jung
geblieben. Ulrike legte mit „Mondlicht auf meiner Seele“ eine
Werwolfsgeschichte nach. Und dann prickt mich doch der Hafer. Immerhin
habe ich in den letzten Jahren immer steif und fest behauptet, dass
mir erotische Geschichten nicht liegen. Jetzt muss ich doch mal in die
geheime Schublade greifen und trage mit „Bis dass der Tod euch
scheidet“ eine meiner Jugendsünden vor. Die Geschichte sorgt für
brüllendes Gelächter. Ich muss doch mal sehen, ob ich nicht mal eine
Anthologie dafür finden kann. Das letzte Wort hat Oliver: Mit seiner
Geschichte über die Elfe Calya, die einen Werwolf erledigt, schlägt
er den Bogen zurück zu Ulrike Story. Wir ernten Applaus, danken artig
und räumen das Sofa. |
Einige
nette Gespräche bei einem heißen Kaffee schließen sich an. Den
legendären Feuertopf bestelle ich heute allerdings nicht. Kerstin,
Ulrike und ich wollen uns noch einen Besuch beim Thailänder gönnen.
Leider verquatschen wir uns etwas. Am Ende bleibt nur noch Zeit für
eine fettige Pizza im Berliner Hauptbahnhof. Dann rollt auch schon
unser Zug heran und bringt uns zurück nach Elze. |
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Text und Fotos: Petra Hartmann |